Keine späte Sühne für Massaker in Fivizzano

Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart hat Anfang Oktober 2012 entschieden, keine Anklage gegen noch lebende Mittäter der Massaker an der Zivilbevölkerung während des zweiten Weltkriegs in Steinhagens italienischer Partnerstadt Fivizzano zu erheben. Über eine dagegen am 31.01.2013 erhobene Beschwerde wurde bisher nicht entschieden.

Seit 2002 ermittelte die Staatsanwaltschaft in Stuttgart gegen 17 Angehörige der 16. SS-Panzer-Aufklärungsabteilung der 16. SS-Panzergrenadier-Division "Reichsführer-SS", die im August 1944 für Massaker an der Zivilbevölkerung in verschiedenen Ortschaften Fivizzanos mitverantwortlich waren.

"Jedes Jahr im August wird mit Gedenkveranstaltungen in Fivizzano der Opfer gedacht. Ich selbst habe als erster Deutscher am 19. August 2002 an der Gedenkveranstaltung in San Terenzo Monti teilgenommen", so Bürgermeister Klaus Besser. "Einer der bewegendsten Momente in meiner bisher 18jährigen Amtszeit, aber ein wichtiges Signal für die Menschen in unserer italienischen Partnerstadt, die Hinterbliebenen der Opfer und für Frieden und Freiheit in Europa". Bei den Bürgerfahrten 2002 und 2005 haben die Steinhagener das Museum und die Gedenkstätten in San Terenzo Monti besucht. Besser war zudem mit seiner Frau an der Gedenkstätte im Ortsteil Vinca in den Apuanischen Alpen. Vinca wurde in einer viertägigen Aktion von der SS Ende August 1944 vollständig zerstört. Über 170 Bewohnerinnen und Bewohner wurden teilweise bestialisch ermordet. Insgesamt wurden in sechs Ortsteilen  Fivizzanos 1944 rund 400 Zivilisten von deutschen Soldaten umgebracht.

Im Juni 2009 hat ein Militärgericht in Rom neun Täter in Abwesenheit zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Da die Täter in Deutschland leben, werden sie nach deutschem Recht nicht nach Italien ausgeliefert, sondern müssten sich vor einem deutschen Gericht verantworten. Dazu wird es nach der selbst vom italienischen Staatspräsidenten kritisierten Entscheidung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft (siehe im Internet unter http://beck-aktuell.beck.de/news/italiens-staatspraesident-kritisiert-stuttgarter-einstellung-von-ns-verfahren ) voraussichtlich nicht kommen. "Ich hatte mit den Hinterbliebenen der Opfer in Fivizzano vergeblich gehofft, dass nach inzwischen 10jährigen Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft in Stuttgart endlich Anklage erhoben würde", so Bürgermeister Klaus Besser. "Eine Verurteilung der Täter auch nach deutschem Recht wäre eine späte Sühne für die unfassbaren Taten an wehrlosen Kindern, Frauen und Greisen gewesen", so Besser.

Ein wichtiges Signal setzte Bundespräsident Joachim Gauck, der am 24. März 2013 nach Italien reiste, nur um die Gedenkstätte im 40 Kilometer von Fivizzano entfernt liegenden Sant'Anna di Stazzema zu besuchen. Er reagierte damit auf einen Brief eines Überlebenden, den ihm Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano am 28. Februar 2013 in Berlin übergeben hatte. Nur 7 Tage vor dem Massaker in San Terenzo Monti hatten die gleichen SS-Einheiten in Sant'Anna mehr als 400 Menschen ermordet. Gauck rief dazu auf, die Opfer niemals zu vergessen. Die Rede ist unter  www.bundespräsident.de im Internet veröffentlicht.

Informationen über die Massaker in der Toskana und in Fivizzano im zweiten Weltkrieg finden Sie im Internet unter anderem unter www.resistenza.de .

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